Vinyl der Woche (26)

Vinyl der Woche (26)

Albumrezension: Eliminator – ZZ Top (1983)

Mit Eliminator gelang ZZ Top im Jahr 1983 ein Meilenstein, der den Sound der Band nicht nur modernisierte, sondern sie endgültig zu globalen Rockstars machte. Das texanische Trio – Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard – verband auf diesem Album seinen klassischen Blues-Rock mit damals zeitgemäßen Synthesizern, elektronischen Drum-Grooves und einer stark polierten Produktion. Das Ergebnis war ein Sound, der gleichermaßen in Rockclubs, auf MTV und im Radio funktionierte.

Schon der Opener „Gimme All Your Lovin’“ macht klar, wohin die Reise geht: treibende Gitarrenriffs, ein sofort eingängiger Refrain und ein Beat, der deutlich moderner wirkt als auf früheren Veröffentlichungen der Band. Es folgt mit „Got Me Under Pressure“ ein rauerer Track, der noch stärker an den ursprünglichen ZZ-Top-Bluesrock erinnert, während „Sharp Dressed Man“ mit seinem ikonischen Groove und minimalistischen Riff zu einem der größten Hits der Band wurde.

Besonders prägend für das Album ist die Mischung aus stoischem Blues-Gitarrenspiel und der damals neuen Ästhetik der frühen Achtziger. Synthesizer-Linien, maschinell wirkende Beats und eine sehr klare Produktion verleihen Songs wie „Legs“ oder „TV Dinners“ einen unverwechselbaren Charakter. Gerade „Legs“ entwickelte sich dank seines MTV-Videos zu einem weltweiten Hit und machte den markanten ZZ-Top-Look – lange Bärte, Sonnenbrillen und Hot Rods – zu einem festen Bestandteil der Popkultur.

Trotz der starken Hits wirkt Eliminator manchmal weniger erdig als frühere Werke der Band. Die Produktion ist glatt, die Grooves oft stärker programmiert als gespielt, und der Blueskern wird gelegentlich von der Achtzigerjahre-Ästhetik überdeckt. Gleichzeitig liegt genau darin auch der Reiz: ZZ Top bewiesen, dass sie ihren Sound weiterentwickeln konnten, ohne ihre charakteristischen Gitarrenriffs und den trockenen Texashumor zu verlieren.

Fazit:

Eliminator ist ein extrem eingängiges, stilprägendes Album, das ZZ Top in die Ära von MTV katapultierte und mehrere zeitlose Rockklassiker hervorbrachte. Dennoch fällt es mir persönlich schwer, die früheren, deutlich bluesigeren Werke der Band nicht mitzudenken. Diese transportieren für mich einfach noch mehr von dem ursprünglichen „ZZ-Top-Gefühl“ – roher, staubiger und unmittelbarer.

Ein großartiges Album mit ikonischen Songs – aber im direkten Vergleich mit den früheren Veröffentlichungen fehlt mir ein kleines Stück des ursprünglichen, puren ZZ-Top-Vibes.

Bewertung: ★★★★☆ 

——-

Klang- und Pressqualität: Eliminator – ZZ Top (EU First Press, 1983)

Gehört wurde die EU-Erstpressung von 1983, und klanglich zeigt sich schnell, warum Eliminator auch aus audiophiler Sicht eine interessante Veröffentlichung ist. Die Produktion des Albums ist stark von der frühen Achtzigerjahre-Ästhetik geprägt: klar, sehr sauber getrennt und mit deutlich hörbaren elektronischen Elementen. Genau diese Produktionsweise spiegelt sich auch auf der Vinylpressung wider.

Die Platte wirkt insgesamt druckvoll und überraschend dynamisch, besonders im Tieftonbereich. Der Bass ist präsent, aber gut kontrolliert, während Frank Beards Drums – trotz teilweise elektronischer Anmutung – ausreichend Punch haben. Songs wie „Gimme All Your Lovin’“ profitieren davon besonders, weil der Groove sehr stabil und präzise im Stereobild steht.

Die Gitarren von Billy Gibbons sind sauber positioniert und behalten ihren typischen rauen Charakter, auch wenn sie in der Produktion etwas glatter wirken als auf früheren ZZ-Top-Alben. Die Mitten sind angenehm warm, ohne zu überladen zu wirken. Gleichzeitig merkt man, dass die Produktion stärker auf Radiotauglichkeit ausgelegt war: alles sitzt sehr kontrolliert im Mix.

In den Höhen wirkt die Pressung klar und detailreich, ohne übermäßig scharf zu werden. Synthesizer und Effekte – besonders bei „Legs“ – kommen sauber heraus und geben der Platte eine breite, fast schon glänzende Klangbühne. Die Stereotrennung ist für eine Rockproduktion dieser Zeit sehr ordentlich.

Auch die Pressqualität der EU-Erstpressung überzeugt: Das Vinyl läuft ruhig, Nebengeräusche sind gering und die Rillen wirken sauber geschnitten. Bei einer gut erhaltenen Kopie entsteht ein sehr angenehmes Hörerlebnis, das sowohl die Rockelemente als auch die elektronischen Details gut transportiert.

Dennoch bleibt ein kleiner Punkt, der die absolute Höchstwertung verhindert: Die sehr polierte Produktion der 80er nimmt der Aufnahme stellenweise etwas von der organischen Rauheit, die viele Fans mit dem klassischen ZZ-Top-Sound verbinden. Technisch ist die Pressung stark, emotional wirkt sie jedoch etwas weniger „erdig“.

Eine sehr gute EU-Erstpressung mit klarer, druckvoller Wiedergabe und sauberem Vinyl – klanglich stark, auch wenn die glatte 80er-Produktion nicht ganz die rohe Atmosphäre früherer ZZ-Top-Aufnahmen erreicht.

Bewertung der Klang- und Pressqualität: ★★★★☆

——

Hitman Records - Dein Used Vinyl Market