The Jam - The Gift
Mit The Gift verabschiedeten sich The Jam 1982 auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs – und lieferten zugleich ein Album ab, das weniger wie ein Rückblick, sondern vielmehr wie ein Aufbruch klingt. Schon nach wenigen Takten wird klar, dass sich der Sound der Band spürbar verändert hat. Statt des kantigen Mod-Punks der Anfangsjahre dominieren hier Soul-, Funk- und Motown-Einflüsse, die vor allem dem Songwriting von Paul Weller neue Farben verleihen.
Der größte Hit des Albums, „Town Called Malice“, verbindet einen treibenden Northern-Soul-Beat mit scharfer Sozialkritik und zählt bis heute zu den bekanntesten Songs der Band. Doch auch abseits der Singles zeigt sich die stilistische Weiterentwicklung deutlich: „Precious“ groovt funky und selbstbewusst, während „Ghosts“ eine fast schwebende, minimalistische Melancholie entfaltet und Wellers gewachsene Reife als Songwriter eindrucksvoll unter Beweis stellt. Insgesamt wirkt das Album introspektiver und persönlicher als seine Vorgänger, ohne dabei die gesellschaftskritische Haltung der Band aufzugeben.
Gerade diese Mischung aus politischer Schärfe und musikalischer Offenheit macht The Gift spannend. Gleichzeitig sorgt die stilistische Vielfalt dafür, dass das Album nicht immer ganz homogen wirkt. Einige Stücke erreichen nicht ganz die Intensität der starken Singles, und Fans des früheren, raueren Jam-Sounds könnten die unmittelbare Punk-Energie vermissen. Dennoch liegt genau in dieser Veränderung die besondere Stärke des Albums: Man spürt, dass Weller innerlich bereits neue Wege sucht – ein Schritt, der später mit The Style Council konsequent weitergeführt wurde.
So bleibt The Gift ein mutiger, stilistisch gereifter und emotional vielschichtiger Abschied einer Band. Kein nostalgischer Schlusspunkt, sondern ein selbstbewusstes Statement zum Abschluss einer außergewöhnlichen Karriere.
⭐⭐⭐⭐☆
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Press und Sound Qualität | UK Orig. 1982
Die Pressqualität ist insgesamt solide bis sehr gut und typisch für frühe 80er-Jahre-UK-Produktionen – sauber zentriert und vergleichsweise geringem Grundrauschen bei gut erhaltenen Exemplaren.
Klanglich überzeugt die Platte vor allem durch ihren druckvollen Bassbereich. „Town Called Malice“ profitiert enorm vom warmen, runden Tieftonfundament, das auf einer guten Anlage angenehm federnd wirkt. Die Mitten – besonders Gesang und Gitarren – sind präsent und klar definiert, ohne zu scharf zu erscheinen. Paul Wellers Stimme steht sauber im Mix und wirkt angenehm greifbar. Die Höhen sind etwas zurückhaltender abgestimmt, was dem Album insgesamt eine warme, leicht kompakte Klangsignatur verleiht.
Die Dynamik ist gut, wenn auch nicht spektakulär. Gerade die funkigeren Passagen haben Punch, während ruhigere Stücke wie „Ghosts“ von einer stimmungsvollen, leicht intimen Räumlichkeit profitieren. Die Stereobreite ist ordentlich, aber nicht übermäßig weit – typisch für Produktionen dieser Zeit. Insgesamt wirkt das Klangbild geschlossen und stimmig, wenn auch stellenweise minimal komprimiert.
⭐⭐⭐⭐☆
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