Jet - Dirty Sweet EP
Manchmal braucht es keine langen Alben, keine großen Experimente – manchmal reichen vier Songs, um alles zu sagen. Genau das passiert auf der Dirty Sweet EP von Jet.
Diese EP ist der Startschuss. November 2002, eine kleine Auflage von etwa 1000 Stück – und plötzlich ist da diese Band, die klingt, als hätte sie keine Lust auf Trends, sondern einfach nur auf lauten, ehrlichen Rock. Die erste Pressung war schnell weg, Mundpropaganda setzte ein, und ehe man sich versieht, stehen Jet auf dem Radar der großen Labels.
Was man hier hört, ist unverfälscht. „Take It or Leave It“ eröffnet direkt mit einer Haltung, die klar macht: Entweder du bist dabei – oder eben nicht. „Cold Hard Bitch“ drückt dann ohne Umwege aufs Gaspedal, roh und energiegeladen. „Move On“ nimmt kurz Tempo raus, ohne die Spannung zu verlieren, bevor „Rollover D.J.“ das Ganze wieder mit dreckigem Rock’n’Roll abschließt.
Der besondere Reiz liegt darin, dass diese Songs später zwar auf Get Born gelandet sind – hier auf dieser EP klingen sie aber unmittelbarer, weniger geschniegelt, fast so, als würde man im Proberaum danebenstehen.
Aufgenommen wurde die EP in Melbourne, weit weg von großen Studios und Hochglanzproduktion. Stattdessen: schneller, direkter Sound, kaum Schnickschnack. Die Band hat bewusst nicht versucht, perfekt zu klingen – sie wollten, dass es sich echt anfühlt. Und das hört man. Die Gitarren sind angezerrt, der Gesang manchmal fast rotzig übersteuert, alles wirkt, als könnte es jederzeit auseinanderfallen – tut es aber nie.
Der wahre Insider-Moment: Die erste Pressung lief über das kleine Label Rubber Records und war auf etwa 1000 Exemplare limitiert. Viele davon gingen lokal über den Tresen, bei Gigs oder kleinen Shops. Kein Marketing, kein Hype – nur Leute, die es hörten und weiterempfohlen haben. Genau dieses „Word-of-Mouth“ hat die EP quasi aus dem Nichts groß gemacht und schließlich dafür gesorgt, dass internationale Labels aufmerksam wurden. Kurz danach: Re-Release, Deal, Durchbruch.
Musikalisch ist das Ganze eine Liebeserklärung an klassischen Rock – man hört Einflüsse von AC/DC und den Rolling Stones, aber ohne Retro-Kostüm.
Eine Ausgabe, wie sie etwa bei Hitman Records erhältlich ist – signiert von der gesamten Band – ist nicht nur ein Sammlerstück, sondern fast schon ein kleines Stück Rockgeschichte zum Anfassen. Gerade weil diese EP den Anfang markiert, bekommt so eine signierte Version einen ganz eigenen Charme!
★★★★☆
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Sound & Pressqualität – Dirty Sweet EP
Klanglich ist die EP ganz klar ein Produkt seiner Zeit und seines Konzepts: roh, direkt und bewusst wenig poliert. Die Gitarren stehen weit vorne im Mix, der Gesang wirkt teilweise leicht übersteuert, was dem Ganzen aber genau diesen „Live-im-Proberaum“-Charakter gibt. Statt High-End-Produktion bekommt man hier Druck, Energie und eine gewisse Unperfektheit, die den Songs ihre Spannung verleiht.
Die Pressqualität der frühen Auflagen – besonders der limitierten Erstpressung – ist solide. Man hört hier zwar, dass hier kein großer Studiobudget-Feinschliff dahinterstand. Dafür wirkt der Sound aber dafür ehrlich und ungeschönt, fast schon dokumentarisch für die Anfangsphase der Band.
Visuell und haptisch ist das Ganze schlicht gehalten, passend zur DIY-Anfangsphase: kein überladenes Artwork, kein Luxus-Finish – eher funktional als edel. Genau das passt aber auch zur Energie der Musik.
★★★☆☆
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Heute gehört Jet zu den prägenden Bands der 2000er-Rockwelle. Mit ihrem Debüt Get Born und Songs wie „Are You Gonna Be My Girl“ haben sie weltweit Millionen erreicht, Awards gewonnen und sind längst Teil dieser klassischen „Garage-Rock-Revival“-Ära, die Anfang der 2000er explodiert ist.
Und genau deshalb ist diese EP so ein Ding für sich: Es ist der Moment vor dem großen Knall. Vier Songs, bevor alles eskaliert ist. Kein Glanz, kein Filter – nur diese rohe Energie, die später eine ganze Karriere losgetreten hat.
Die meisten EPs sind Fußnoten. Dirty Sweet ist der Prolog einer Karriere, die später Stadien gefüllt hat – und genau das macht dieses Teil so verdammt besonders.
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